Sonntag, 11. Februar 2007

Die Siedler von Probstheida (Update)



Ein Jahr Spielpause forderte der Vatikan vom italienischen Fußball, der seit 1962 schon 12 Menschen sterben sah. Eine Woche später rollte in den Stadien der Serie A und B wieder der Ball.

Catania im Hinterkopf, Probstheida vor den Augen. Der Fußball knickt auch in Deutschland mal wieder ein.
Sachsens Innenminister Buttolo fordert, wie Tage zuvor seine Amtskollegen in Italien, mehr Einsatz von den Vereinen, die Schieflage in den Griff zu bekommen. "Italienische Verhältnisse" woller er in sächsischen Stadien jedenfalls nicht. Vielleicht hätte Herr Buttolo mal öfters ins Stadion gehen sollen. Das von ihm beschriebenen Damoklesschwert der "italienischen Verhältnisse" schwebt schon längst nicht mehr über den deutschen Stadien, es ist längst auf sie nieder gegangen. Der Spiegel ist natürlich dabei und schießt sich auf ein ostdeutsches Catania ein. Gewalt beim Fußball gibt es ja sowieso nur in den Provinzstadien im Osten. Oder aber die Medienwelt hat sich darauf geeinigt, dass sechs verletzte Beamte bei einem Fußballspiel schon gar nicht mehr erwähnenswert sind. News is what's different. So what?
Auf der Homepage des 1.FC Lokomotive Leipzig distanziert man sich unterdessen von den Krawallmachern. Der Vorstand verurteile, so der Pressetext, auf Extremste die Vorfälle nach dem Pokalspiel gegen Aue II. Der Vorstand - das ist u.a. auch Steffen Kubald. Steffen Kubald hat dem Autor des Buches "Von Athen nach Althen", Thomas Franke, ein Interview gegeben. Dort schwelgt er in Erinnerungen über seine Zeit als Fan:

...Und natürlich werd ich den Abend nie vergessen, an dem wir im Europacup-Finale verloren hatten. Wir hingen danach im »Sack« ab. Der Kneiper spielte das falsche Lied, da war dann Schluss. Da wurde’s dunkel. Da gab’s die Ladeneinrichtung danach nicht mehr...

oder plaudert aus dem Nähkästchen

...Da rannten dann etwa fünfzig Mann die Tribüne runter, auf die Befis, also die BFCer, drauf und zwei, drei Mann stürmten zu der Fahne. Das ist überhaupt nicht abgesprochen. Eigentlich wollen wir die nur verjacken...

oder analysiert die Gegner

...Das waren immer der BFC und Dynamo Dresden. Auch der 1. FC Magdeburg und mit Abstrichen kann man auch noch Hansa Rostock nennen. Dann gab es natürlich viele Städte, wo man hinfuhr und sowieso wusste, die können uns eigentlich nichts: Riesa, Frankfurt/Oder, Jena. In Halle hat es immer richtig gescherbelt, aber da waren wir aber meist der Sieger. Dort war nur immer der Tunnel vom Bahnhof in die Innenstadt relativ schwierig. Na ja, natürlich hatte Union immer ein riesiges Potenzial. In Berlin kriegten wir auch ganz schön auf den Frack. Hier in Leipzig lief’s dann eher umgekehrt. Die gaben sich ja hier immer wie offne Hosen. Die dachten doch, die sind was Besseres. Hier bezogen wir eigentlich nur vom BFC mal Dresche, ansonsten war Lok der Herr im Hause. Auch gegen Magdeburg war es mal eng, da flogen erst die Fäuste und dann Flaschen und Steine …

Steffen Kubald ist Präsident des 1. FC Lok Leipzig. In der Funktion als Präsident verurteilt er die Ausschreitungen nach dem Pokalspiel. Und als Fan Hooligan?

Nachtrag: Am Montag, 12.02.2007, beginnt der Vorstand des 1. FC Lok Leipzig mit Aufklärungsarbeit und schließt das hauseigene Forum.

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